“Alles im Fluss” (NW 22.01.18)

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Gesamtschule Quelle: In ihrer Eigenproduktion “Der Kongress” nehmen 21 Zehntklässler Stereotype aufs Korn und erheitern bei der Aufführung ihre rund 200 Zuschauer.

(Von Judith Gladow)

Brackwede. Eineinhalb Jahre Konzeption und Proben liegen hinter den 21 Schülern der 10. Klasse der Gesamtschule Quelle. Dabei herausgekommen ist mit “Der Kongress” eine Parodie auf den Ernährungs- und Gesundheitswahn der modernen Gesellschaft und das Geschäft, das damit gemacht wird. Das Stück hatten sie in Improvisationen selbst entwickelt, unterstützt von den Lehrern Dörte Stippich und Walter Kunert. Ein Spiel mit Stereotypen und Klischees, das die Zuschauer in der Mensa – rund 200 kamen – wiederholt zum Lachen brachte.

Und das mit einfachen Mitteln. Sowohl Kostüme als auch Bühnenbild sind schlicht gehalten, weiße Stellwände arrangieren die Schüler einfach passend zur jeweiligen Szene. Sie beziehen die Zuschauer ein, als wären sie Teilnehmer an dem ganzheitlichen Gesundheits- und Ernährungsseminar im Schmucker-Stammhaus, Zentrum für die sagenumwobene Kerntherapie.

Dort, das wird schnell klar, herrscht jedoch keine angenehm meditative Ruhe. Der alternde Guru Alfons Schmucker (Francis Chilvers) soll einen Vortrag halten (“Kernheilung durch Kernteilung”), bringt aber schließlich alles durcheinander und sogar das blühende Geschäft mit seinen Heilsversprechen in Gefahr. Ob Alfons senil ist oder ob er die Lüge einfach leid ist, bei diversen Therapiesitzungen enthüllt er jedenfalls Stück für Stück die schockierende Wahrheit. Die Geschichte, wie er die Heilkraft der Kerne entdeckte, ist ein verdrehter Mythos, die eingesetzte Dosierung viel zu hoch. “Die machen süchtig, die bringen dir den Tod.”

Sowohl Therapeuten als auch Teilnehmer sind dabei wunderbar stereotyp: Eine Süchtige (Navina Nöltgen, in Doppelrolle als zackige Sportmedizinerin) kommt von ihrem Laster, den Trinkpäckchen, nicht los. Da vermag Psychologe Hark (Jim Veale) noch so einfühlsam sein. Eine überempfindliche Allergikerin, dem Biowahn verfallene Schmucker-Groupies, eine esoterische Klangtherapeutin, Alfons verwöhnte Halbschwester und Nichte vervollständigen die seltsame Versammlung. Und als Fußabtreter für das Team, allen voran Hausleiterin Melanie Brömer (Luna Domscheit), ist da noch Putzfrau Anouschka (Adele Heinrichs).

Anouschka soll dann am Ende ganz wichtig werden, als das Team ein Komplott schmiedet, den Begründer ihres Ernährungskultes mal gerade um die Ecke zu bringen, bevor Reporterin Hannah (Laura Heisig) alle Puzzleteile zusammensetzt. Die hat zwar den Braten schon gerochen, kann aber den Mord scheinbar nicht mehr verhindern. Was zunächst nach einem grausigen Ende aussieht, wandelt sich zum Happy End. Das Komplott fliegt auf und bevor der Vorhang fällt klingelt Anouschkas Handy. “Alles im Fluss”, sagt Alfons Schmuckers Stimme.