Händeschütteln ist das Wichtigste (Westfalenblatt 27.01.2018)

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Theaterprojekt mit Schülern der internationalen Klasse an der Gesamtschule Quelle.

Quelle (pan). Pünktlichkeit ist sehr deutsch, Fahrpläne ebenso und vor allem, dass man sich die Hand gibt, ist in Deutschland ein absolutes Muss. Diese Erfahrungen und vieles mehr haben zehn Schüler aus der internationalen Klasse II der Gesamtschule Quelle in ihrem selbst erarbeiteten Stück »Grüß dich, Deutschland« verarbeitet.
Gemeinsam mit der Theater-Pädagogin Indira Heidemann konzipierten die aus Afghanistan, Syrien, dem Irak und Aserbaidschan stammenden Schüler der Sprachfördergruppen seit November in wöchentlichen Treffen ihr Theaterstück, bei dem sie ihre Erfahrungen als Flüchtlinge in Deutschland ebenso einfließen ließen wie persönliche Gefühle und an den Deutschen festgestellte Eigenarten.

Vor einem Publikum aus Schülern und ehrenamtlich an der Schule tätigen AWO-Mitarbeitern der Sprachförderung präsentierte die Gruppe ihr Werk nun als Uraufführung. »Die Schüler konnten selbst entscheiden, wen sie ins Publikum einladen. Sie sind alle noch nicht so lange hier und können noch nicht richtig Deutsch sprechen. Deswegen wollten wir mit einem kleinen Publikum ausprobieren, wie es ihnen dabei geht, ob sie sich auf der Bühne wohlfühlen«, erklärt Schulleiterin Kirsten Bergmann.

Die meisten der Teilnehmer sind zwischen einem halben und zwei Jahren in Deutschland, an der Queller Gesamtschule sind zurzeit 30 Kinder in zwei internationalen Klassen untergebracht. Sie nehmen an speziellem Sprachförderunterricht, aber auch an Unterricht in Regelklassen teil.

Das durch das Kommunale Integrationszentrum geförderte Theaterprojekt bot den Acht- bis Zehntklässlern nun eine künstlerische Möglichkeit zur Reflektion. Denn nicht nur das Händeschütteln empfinden sie als typisch deutsch, auch die in ihrer Heimat nicht selbstverständliche Gleichstellung von Mann und Frau, die sie für gut befinden – im Gegensatz zum kalten und oft regnerischen Wetter. Obwohl Heimat bei den meisten noch immer ihr Geburtsland meint, ist auch Ostwestfalen bereits zu einer Zweitheimat geworden. »Bielefeld ist meine Mutterstadt«, heißt es im Stück, »hier habe ich das Gefühl in Sicherheit zu leben«. Und am Ende spielt es ohnehin keine Rolle, aus welchem Land jemand kommt, »wir haben alle die gleichen Träume und Hoffnungen«, postulieren die Schüler und enden mit einem weisen Gedanken für mehr Menschlichkeit: »Eine Attacke gegen einen von uns ist eine Attacke gegen uns alle.«