Kern des Seins kommt ans Licht (WB 23.01.18)

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Schultheaterstück hinterfragt die Sinnhaftigkeit ominöser Therapien.

Von Kerstin Pannhorst.

Quelle(WB). Sie sind das Beste aller Lebensmittel, enthalten unglaublich viel Eiweiß, helfen gegen Diabetes und Herz-Kreislaufbeschwerden, regen Glückshormone an. Mysteriöse Kerne sind das neue Wundermittel, das in der Kerntherapie nach Dr. Alfons Schmucker für alle Gesundheitsprobleme Lösungen bietet.

Im Theaterstück »Der Kongress« werfen Schüler der Queller Gesamtschule einen Blick hinter die Fassaden von Instituten für alternative Therapien. Sie schauen auf die Scheinwelt ominöser Heilversprechen, die zwischen Esoterik und Homöopathie ihren Platz finden. Vor 200 Besuchern feierte das von den 21 Mitgliedern des EU-Theaterkurses des zehnten Jahrgangs selbst geschriebene Werk jetzt Premiere.

»Wir haben eineinhalb Jahre daran gearbeitet, die Ideen stammen alle von den Schülern. Wir haben auch nicht für alle Szenen einen fertigen Text geschrieben, es gibt viele Improvisationsanteile«, erklärt Lehrerin Dörte Stippich das Konzept. Gemeinsam mit ihrem Kollegen Walter Kunert hat sie die Schüler von ihrer ersten Berührung mit Schauspiel bis zur fertigen Produktion begleitet. »Jeder konnte sich mit seinen individuellen Fähigkeiten einbringen. Und ich muss sagen: Ich habe noch nie einen Kurs gehabt, bei dem wir so viel Spaß hatten. Bei den Proben haben wir manchmal Tränen gelacht«, sagt Dörte Stippich.

Diese Freude am Spiel sieht man dem fertigen Stück auch an. In vielen kleinen Szenen kosten die Schüler als Therapeuten in Klangtherapien, Mentalreisen und Beratungsgesprächen die Absurdität der Situation voll aus und machen den titelgebenden Kongress zu einem Erlebnis. Auf dem soll Alfons Schmucker, der Gründer der Kerntherapie, einen Abschlussvortrag halten. Während die Besucher dem betagten Referenten entgegenfiebern, bedeutet dessen Rückkehr für die Ärzte und Therapeuten seines Instituts eine echte Gefahr.

Denn Schmucker ist längst süchtig nach seinen eigenen Kernen und droht, das schmutzige Geschäft mit eben diesen auffliegen zu lassen. Dabei kommen der Kern des Lebens, der Kern des Seins und letztendlich auch der Kern des Menschen ans Licht. Denn die Therapeuten beschließen den als Ballast empfundenen Gründer zu entsorgen. Doch dank einer treuen Putzfrau muss dieser am Ende nicht ins Gras oder weitere Kerne beißen. Mit einem minimalistischen Bühnenbild und bewusst auf Kontraste setzenden Kostümen erscheint dabei das Institut als kalte, berechnende Parallelwelt. In dieser gehen die Therapeuten über Leichen, während sie nach außen ihre Fassade einer sektenähnlichen Heilsgemeinschaft aufrecht erhalten wollen.